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Kindertagespflege durch Einführung eines Fachberatungsschlüssels an landesweiten Standards ausrichten

Claus Schmiedel: „Bei richtiger Unterstützung können viel mehr Kinder durch viel mehr Tagesmütter betreut werden“

Christina Metke: „Tagesmütter brauchen pauschalierte Zuwendungen und weniger Aufwand durch Bürokratie“

Die SPD-Landtagsfraktion und der Landesverband der Tagesmütter-Vereine Baden-Württemberg e.V. drängen auf noch größere Anstrengungen beim Ausbau von Platzangebot und Qualität in der Kindertagespflege. So müsse möglichst rasch eine Angleichung der Elternbeiträge für die Betreuung bei Tagesmüttern und -vätern an die Elternbeiträge für Kindertageseinrichtungen angestrebt werden. Ein solcher Schritt werde zu echter Wahlfreiheit führen. Dies erklärten SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel und die Landesvorsitzende der Tagesmütter-Vereine, Christina Metke, am Mittwoch (3. Juli 2013) vor der Landespresse in Stuttgart.

In der Kindertagespflege könnten nach Ansicht von Schmiedel und Metke relativ kurzfristig mehr Plätze geschaffen werden, wenn sich die finanziellen und bürokratischen Rahmenbedingungen für Tageseltern verbesserten. Dazu gehöre insbesondere ein verlässliches und planbares Einkommen durch pauschalierte Zuwendungen. „Die Arbeit der Tagesmütter wird durch eine sehr hohe Bürokratie belastet. Wir wissen, dass viele auch deshalb ihre Tätigkeit einstellen oder die Qualifizierung abbrechen“, unterstrich Metke. Hier sei dringender Handlungsbedarf geboten. Es gebe zwar landesweite Empfehlungen, aber in nur wenigen Stadt- und Landkreisen würden diese Verbesserungen umgesetzt.

Schmiedel machte darauf aufmerksam, dass das Land für die Kindertagespflege über den kommunalen Finanzausgleich im Jahr 2013 einen Beitrag von rund 43,8 Millionen Euro leiste. Allerdings würden die Kommunen und Landkreise weitgehend eigenverantwortlich über die Mittelverwendung entscheiden.

Die Zuweisungen an die Stadt- und Landkreise nach dem Finanzausgleichsgesetz (§ 29c FAG) seien von 12,1 Mio. Euro in 2011 auf 40,1 Mio. Euro in 2012 und auf nunmehr 43,8 Mio. Euro in 2013 gestiegen. Das entspricht seit 2011 einem Zuwachs der Mittel von mehr als 350 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Landesamts entwickelte sich die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren in der Kindertagespflege wie folgt: jeweils zum Stichtag am 01.03. betrug die Betreuungsquote 2010 in der Kindertagespflege 2,6 Prozent (= 7.246 Kinder), 2011 lag sie bei 2,9 Prozent (= 8.067 Kinder) und 2012 kam sie auf 3,3 Prozent (= 8.884 Kinder).

„Die Zunahme von betreuten Kindern in der Kindertagespflege ist erfreulich, aber sie reicht noch nicht aus, um die angestrebten Ziele beim U3-Ausbau wirksam zu unterstützen. Da ist noch deutlich Luft nach oben drin“, erklärten Schmiedel und Metke.

„Die große Bandbreite der Entwicklung in den Kommunen führt uns zu der Überlegung, die Mittelverwendung klarer an landesweiten Standards zu orientieren, etwa durch die Einführung eines Fachberatungsschlüssels“, sagte Schmiedel weiter. So sei vorstellbar, sofern der bisherige Weg einer einvernehmlichen Lösung zwischen den kommunalen Landesverbänden nicht trage, in einer erforderlichen Neuauflage der Verwaltungsvorschrift „Kindertagespflege“ einen entsprechenden verlässlichen Rahmen für die Qualitätssicherung zu schaffen.

Zentrales Anliegen bleibe die Stärkung der Qualität der Tagespflege. Hierfür müsse die Fachberatung in der Kindertagespflege, die Tageseltern auswählt, begleitet und qualifiziert, deutlich ausgebaut werden. Außerdem gelte es, den auch für den Kinderschutz wichtigen Personalschlüssel von mindestens 1:90, also eine sozialpädagogische Fachkraft in einer Fachberatungsstelle für 90 Kinder in Betreuungsverhältnissen, landesweit zu erreichen. Bislang liegen fast alle Fachdienste für Kindertagespflege in Baden-Württemberg bei diesem Personalschlüssel unter der gebotenen Zielmarke.

Die SPD-Landtagsfraktion und der Tagesmütter-Landesverband fordern von den Kommunen, sich bei der Erfüllung des Rechtsanspruchs ab dem 01.08.2013 noch intensiver mit den Möglichkeiten im Bereich der Kindertagespflege vor Ort auseinanderzusetzen und dort Verbesserungen in Angriff zu nehmen. Schließlich sei die Kindertagespflege auch gesetzlich den anderen Betreuungsformen gleichgestellt.

Ein besonderes Entwicklungspotential sehen Schmiedel und Metke in der Schaffung von „TigeR-Pflegestellen“, (TigeR=Tagespflege in anderen geeigneten Räumen). Hier gebe es große Chancen, der steigenden Nachfrage nach Betreuungsplätzen im U3-Bereich mit einer guten Konzeption flexibel zu begegnen. Das bereits erarbeitete TigeR-Konzept des Tagesmütter-Landesverbands soll hierbei Kommunen als Referenzrahmen für eine hohe Qualität dienen.

Als weiteren Baustein für eine zunehmende Professionalisierung und berufliche Weiterentwicklung nannte Schmiedel sogenannte Festanstellungsmodelle für Tagespflegepersonen. Bundesweit seien indes erst 4 Prozent der Tagespflegepersonen bei einem Träger angestellt. Dieser Bereich müsse mittelfristig ausgebaut werden. „Einzelne Städte wie beispielsweise Mannheim zeigen das Potential für eine solche Entwicklung, wenn Kommunen dies unterstützen“, betonte Schmiedel. Bereits heute sei eine Festanstellung bei einem Betrieb oder einer Einrichtung möglich. Der Bund fördere dies derzeit mit seinem „Aktionsprogramm Kindertagespflege“.

Stuttgart, 3. Juli 2013
Martin Mendler
Pressesprecher